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Jährlich erleiden in Deutschland ca. 35.000 Menschen schwere Verletzungen bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen. © KatarzynaBialasiewicz / iStock / Thinkstock

Unfallchirurgie: Notfallnetz für ganz Deutschland

Der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) ist innerhalb von zehn Jahren mit der Initiative TraumaNetzwerk DGU® die Etablierung einer bundesweit hochwertigen Schwerverletztenversorgung gelungen. Rund 600 Traumazentren erfüllen die Qualitätsvorgaben der DGU und sind in 51 zertifizierten TraumaNetzwerken (TNW) zusammengeschlossen.

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Grafische Darstellung des Notfallnetzes. © AUC / Akademie der Unfallchirurgie GmbH

„Damit bietet die deutsche Unfallchirurgie flächendeckend, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr eine leistungsstarke Versorgung Schwerverletzter. Dieses System ist weltweit bisher einzigartig“, sagt Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)-Generalsekretär Professor Reinhard Hoffmann. Jährlich erleiden in Deutschland ca. 35.000 Menschen schwere Verletzungen bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen.

Ihre Rettung und Behandlung ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jeder Handgriff stimmen muss. Im Jahr 2006 schrieben Unfallchirurgen die optimalen Bedingungen für die Versorgung von Schwerverletzten im Weißbuch Schwerverletztenversorgung fest und gründeten die Initiative TraumaNetzwerk DGU®.

Damit sollten die unterschiedlichen Behandlungskonzepte und die Ausstattung an Personal, Geräten und medizinischem Zubehör in Deutschlands Unfallkliniken standardisiert werden. Ziel ist es, jedem Schwerverletzten an jedem Ort zu jeder Zeit bestmögliche Überlebenschancen zu bieten und auch außerhalb von Ballungszentren eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Die Teilnahme der Kliniken an der Initiative führte zu Änderungen in deren Organisations- und Personalstrukturen: beispielsweise wurden Schockraumleitlinien etabliert, Dienstpläne hinsichtlich der Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit eines kompetenten Notfallteams verändert oder Ärzte im Schockraummanagement geschult.

In vielen Kliniken wurde zudem die Ausstattung optimiert: beispielsweise Röntgenanlagen und Ultraschallgeräte für den Notfall-Behandlungsraum nachgerüstet, teleradiologische Systeme eingeführt und die Bereitstellung von Instrumenten für Notfalloperation und Blutkonserven vorgenommen.

Umfassende Notfallversorgung

Die Kliniken werden bei der Qualitätsprüfung in Form einer Vor-Ort-Begehung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle entsprechend ihrer Ausstattung und Kompetenz einer von drei unterschiedlichen Versorgungsstufen zugeordnet. Überregionale Traumazentren verfügen über die Kompetenz zur Behandlung besonders schwerer, komplexer oder seltener Verletzungen.

Dazu zählen beispielsweise Verletzungen der Hauptschlagader, Replantation abgetrennter Gliedmaßen oder schwere Gesichtsverletzungen. Die regionalen Traumazentren bieten eine umfassende Notfallversorgung in einem breiten Leistungsspektrum, so beispielsweise auch die Behandlung schwerer Schädel-Hirn-Verletzungen.

Die lokalen Traumazentren hingegen sichern die unfallchirurgische Grund-und Regelversorgung ab. Um regional eine bestmögliche Versorgung zu sichern, kooperieren Traumazentren verschiedener Versorgungsstufen innerhalb eines TraumaNetzwerkes. Durchschnittlich besteht ein TNW aus 14 Kliniken mit acht lokalen, vier regionalen und zwei überregionalen Traumazentren.

Trauma-Register zur Überprüfung der Prozesse

Das Notfallnetz gewährleistet, dass der Rettungsdienst einen Notfall-Behandlungsraum eines Traumazentrums innerhalb von 30 Minuten erreichen kann – nicht nur in Ballungszentren, sondern auch in dünn besiedelten Gebieten. Das ist insbesondere für lebensgefährlich Verletzte wichtig, denn ihre Überlebenschancen werden mit jeder verstrichenen Minute geringer.

Sobald die Klinik-Ärzte den Patienten stabilisiert und außer Lebensgefahr gebracht haben, kann er im Bedarfsfall in eine für sein Verletzungsmuster ideale Klinik weiterverlegt werden. Die Kriterien für die Aufnahme und Weiterverlegung innerhalb eines Trauma-Netzwerkes (TNW) sind durch Kooperationsverträge klar geregelt und ersparen in zeitkritischen Situationen aufwendige Absprachen.

Sie werden in TNW-Qualitätszirkeln regelmäßig überprüft. An diesen nimmt auch der Rettungsdienst teil, der eine wichtige Funktion bei der Auswahl einer geeigneten Klinik übernimmt. Zur Überprüfung ihrer Behandlungsprozesse erfassen die Traumazentren anonymisierte Patientendaten im TraumaRegister DGU® (TR) – es gilt als weltweit umfangreichstes Register für Schwerverletzte und dokumentiert seit der Gründung im Jahr 1993 nahezu 200.000 Fälle.

Über den TraumaRegister-Jahresbericht erhalten die Kliniken jedes Jahr eine Rückmeldung über ihre Leistung. Neben der allgemeinen Qualitätssicherung gibt das TraumaRegister zudem Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen zur Fehlervermeidung, Erhöhung der Patientensicherheit und Verbesserung des Behandlungsergebnisses.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V.

Weitere Informationen

Die Initiative TraumaNetzwerk DGU® genießt im In- und Ausland große Anerkennung. Bereits in Österreich und der Schweiz bauen Unfallchirurgen die Netzwerkstruktur nach deutschem Vorbild nach. Dabei konnte 2014 das Trauma-Netzwerk Salzburg mit acht Kliniken als erstes Netzwerk Österreichs nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. zertifiziert werden. In einigen Bundesländern Deutschlands wird die Initiative bei der Krankenhausbedarfsplanung und Krankenhausfinanzierung berücksichtigt.

Referenzen: Frink M, Kühne C, Debus F et al. (2013) Das Projekt TraumaNetzwerk DGU®. Zielsetzung, Konzeption und bisher Erreichtes. Unfallchirurg 116:61–73

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