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Symptome der der Diabetischen Ketoazidose sind zum Beispiel Übelkeit, häufiges Wasserlassen und Schwäche. © Alliance / iStock /Thinkstock

Diabetische Ketoazidose: Mädchen in der Pubertät besonders betroffen

Wenn der Körper kein ausreichendes Insulin produziert und dieses auch nicht ausreichend zugeführt wird, besteht die Gefahr einer so genannten Diabetischen Ketoazidose (DKA). Wissenschaftler der Universität Ulm haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam untersucht, wie verbreitet diese gefährliche Stoffwechselstörung unter Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 ist. Dafür wurden die Patientendaten von gut 50000 jungen Diabetikern ausgewertet.

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Prof. Dr. Reinhard Holl. © Elvira Eberhardt/ Uni Ulm

Insulin sorgt dafür, dass Muskel- und Nervenzellen Energie in Form von Zucker (Glucose) aus dem Blut aufnehmen können. Wenn nicht ausreichend Insulin zugeführt wird, kann es zu einer gefährlichen Diabetischen Ketoazidose kommen. 

„Wird zu wenig Insulin injiziert, kann der Körper die Energie aus Kohlenhydraten nicht mehr verwerten und stellt auf eine verstärkte Fettverbrennung und Proteinverwertung um. Für die Gesundheit der Patienten hat das auf Dauer gravierende Folgen. Dies kann bis zur Bewusstlosigkeit führen, im schlimmsten Falle sogar zum Tod“, erklärt Professor Reinhard Holl, Leiter des Zentralinstituts für Biomedizinische Technik (ZIBMT) an der Universität Ulm.

Der Wissenschaftler vom Institut für Epidemiologie und medizinische Biometrie hat gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien, Österreich und den USA eine großangelegte Studie zur DKA vorgelegt. Bei dieser Stoffwechselstörung kommt es aufgrund des Insulinmangels zur gesteigerten Fett- und Proteinverbrennung mit massiver Übersäuerung des Blutes durch Acetessigsäure und ß-Hydroxybuttersäure. Es bilden sich saure Ketonkörper, die nicht nur den Energiestoffwechsel beeinträchtigen, sondern auch den Gasaustausch im Blut stören.

Auswertung ergibt hohe Erkrankungsrate

Die Wissenschaftler haben dafür die Patientendaten von gut 50000 Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 untersucht und berichten, dass fünf bis sieben Prozent der jungen Diabetiker, die länger als ein Jahr erkrankt waren, von dieser lebensgefährlichen Stoffwechselstörung betroffen waren.

Die hohen Zahlen hätten die Wissenschaftler überrascht, denn Blutzuckermessgeräte und Insulinpumpen oder -injektoren würden heute so genau arbeiten, dass von der medizinischen Versorgungstechnik her eine optimale Therapie eigentlich gewährleistet sein könnte, so Holl.

Für die biometrische Analyse wurde auf umfangreiche Diabetesregister mit anonymisierten Patientendaten für Deutschland und Österreich, England und Wales sowie die USA zurückgegriffen. Aufbereitet und statistisch ausgewertet wurden die Daten von der Ulmer Statistikerin Julia Hermann am ZIBMT, die auch die Zusammenführung der Datenregister koordiniert hat.

Teenager verzichten absichtlich auf Insulin
© Elvira Eberhardt / Uni Ulm
Julia Hermann bei einer statistischen Datenanalyse. © Elvira Eberhardt / Uni Ulm

Dabei stellte sich heraus, dass überdurchschnittlich viele Mädchen an der Diabetischen Ketoazidose erkrankt waren und dass auch die gesellschaftliche Integration eine gewisse statistische Rolle spielt. So war bei den jungen weiblichen Patienten das DKA-Risiko um 23 Prozentpunkte höher als bei den jungen Patienten männlichen Geschlechts.

Gehörten die jungen Diabetiker ethnischen Minderheiten an (wie in England, Wales oder den USA), oder hatten sie einen so genannten Migrationshintergrund (wie in Deutschland oder Österreich), war ihr Risiko sogar um 27 Prozentpunkte höher als bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1, die der Mehrheitsgesellschaft zuzurechnen sind.

Besondere Sorge bereitet dem internationalen Forscherteam die hohe DKA-Rate bei Mädchen in der Pubertät. „Wir gehen davon aus, dass vor allem die weiblichen Teenager absichtlich kein Insulin spritzen, um über die dadurch verstärkte Fettverbrennung Gewicht zu verlieren“, vermutet Professor Justin T. Warner. Der Mediziner vom Department of Child Health des Universitätsklinikums Cardiff in Wales (U.K.) ist gemeinsam mit dem der Facharzt für Kinder-Diabetologie und -Endokrinologie Holl verantwortlich für die in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlichte Studie.

„Wie gesundheitsschädlich, ja sogar lebensgefährlich der Verzicht auf eine angemessene Insulin-Therapie sein kann, wissen die wenigsten“, ergänzt Holl. Eine Ketoazidose zeigt sich anfangs mit Symptomen wie Atembeschwerden, Übelkeit, Durst, häufigem Wasserlassen und Schwäche. Im weiteren Verlauf kommt es zur Hyperventilation und zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Ohnmacht. Unbehandelt endet die Stoffwechselstörung meist tödlich.



Weitere Informationen

Originalpublikation: Rates of Diabetic Ketoacidosis: International Comparison With 49,859 Pediatric Patients With Type 1 Diabetes From England, Wales, the U.S., Austria, and Germany. Maahs DM, Hermann JM, Holman N, Foster NC, Kapellen TM, Allgrove J, Schatz DA, Hofer SE, Campbell F, Steigleder-Schweiger C, Beck RW, Warner JT, Holl RW; National Paediatric Diabetes Audit and the Royal College of Paediatrics and Child Health, the DPV Initiative, and the T1D Exchange Clinic Network. Diabetes Care. 2015 Aug 17. pii: dc150780. [Epub ahead of print]

Medienmitteilung der Universität Ulm: Insulin-Therapie ist kein Kinderspiel! Multinationale Studie zur Diabetischen Ketoazidose

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