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"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen", sagt Dr. Jörg Moritz, Leiter der Kinderradiologie an der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie des UKSH, Campus Kiel. © UKSH
"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen", sagt Dr. Jörg Moritz, Leiter der Kinderradiologie an der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie des UKSH, Campus Kiel. © UKSH

Internationaler Tag der Radiologie: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“

Am Sonntag, 8. November 2015, findet zum vierten Mal der Internationale Tag der Radiologie statt. „Dies ist für uns ein Anlass, um auf die wichtige Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit einer kindgerechten Behandlung aufmerksam zu machen“, sagt PD Dr. Jörg Moritz, Leiter der Kinderradiologie an der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie des UKSH, Campus Kiel. Der Experte ist einer von nur vier Kinderradiologen in Schleswig-Holstein, die über die speziellen Kenntnisse im Schwerpunkt Kinderradiologie verfügen. Sowohl am Campus Kiel als auch am Campus Lübeck des UKSH steht jungen Patienten die Expertise dieser Fachleute zur Verfügung.

„Leider ist die Kinderradiologie sowohl unter ärztlichen Kollegen als auch bei den Eltern unserer Patienten wenig bekannt“, sagt Dr. Moritz, „jedoch sind Kinder keine kleinen Erwachsenen, sie weisen andere Proportionen und Krankheitsbilder auf, die Untersuchungspfade sind oft andere als im Erwachsenenalter.“ Insbesondere die Belange des Strahlenschutzes seien für Kinder in viel stärkerem Ausmaß zu berücksichtigen. Für die diagnostische Radiologie bedeute dies eine an das jeweilige Alter angepasste Auswahl der geeigneten Methoden der Bildgebung. „Kinder sind wesentlich empfindlicher gegen Röntgenstrahlen als Erwachsene, daher sind Verfahren ohne ionisierende Strahlung in jedem Falle zu bevorzugen. Aufgrund anatomischer Gegebenheiten ist bspw. die Sonografie, bei der – im Gegensatz etwa zum Röntgen – ungefährlicher Ultraschall zum Einsatz kommt, viel häufiger die einzige erforderliche Bildgebung auf dem Weg zu einer Diagnose“, so der Experte.

Besonderes Einfühlungsvermögen gefordert

Neben der Methodenauswahl müssen die Kinderradiologen die speziellen Krankheitsbilder von Kindern und Jugendlichen und ein besonderes Einfühlungsvermögen im Umgang mit ihren jungen Patienten berücksichtigen. Daher erfordert die Durchführung der bei Kindern oft sehr anspruchsvollen Untersuchungen und die Auswertung der erhobenen Bilddaten eine entsprechende Fachexpertise, die in einer mehrjährigen Zusatzausbildung erworben werden kann. „Leider gibt es in Deutschland derzeit nur rund 110 Ärztinnen und Ärzte, die mit der speziellen Fachweiterbildung zum Kinderradiologen beruflich tätig sind“, sagt Dr. Moritz. Bei über zwölf Millionen Kindern sei eine flächendeckende ambulante und stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch ausgebildete Kinderradiologen daher nicht möglich. „Umso wichtiger ist es uns, den 8. November zum Anlass zu nehmen, Eltern über die am UKSH und anderswo bestehenden Möglichkeiten zu informieren und gleichzeitig Kolleginnen und Kollegen zu animieren, sich an der auf die speziellen Bedürfnisse von Kindern angepassten Versorgung mit bildgebenden Verfahren zu beteiligen.“

Auch die Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) setzt sich für eine wissenschaftliche Weiterentwicklung der Kinderradiologie ein und unterstützt Kinder-/Radiologen in ihrem Bestreben einer kindgerechten Versorgung mit bildgebenden Verfahren. Zudem fördert sie den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Etablierung neuer sowie die Weiterentwicklung vorhandener bildgebender Verfahren für das Kindesalter. Weitere Informationen gibt es auf
www.kinder-radiologie.org

Der Internationale Tag der Radiologie wurde 2012 von der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) eingeführt. Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen die nach ihm benannten Strahlen.

Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

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