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Grippeimpfung: Hohes Influenza-Risiko für Flüchtlinge in Notunterkünften

Die diesjährige saisonale Influenza steht in den Startlöchern. Die Zahl der Todesopfer infolge von Grippe wird in Deutschland auf jährlich 5000 bis 20.000 geschätzt. Besonders gefährdet, sich mit dem Influenza-Virus zu infizieren, sind Menschen in Notunterkünften, die auf engem Raum zusammen leben, warnt die Gesellschaft für Virologie (GfV). Möglichst viele Flüchtlinge sollten daher Ende Oktober eine Influenza-Impfung erhalten. Gleichzeitig ruft die GfV medizinisches Personal dazu auf, konsequenter auf den eigenen Impfschutz zu achten. Denn damit schützen sie nicht nur sich selbst, sondern auch ungeimpfte und immungeschwächte Patienten.

Etwa 800.000 Menschen werden in diesem Jahr nach Schätzungen des Bundesinnenministeriums in Deutschland Schutz suchen. Viele Flüchtlinge leben zunächst auf engstem Raum in Erstaufnahmeeinrichtungen. Zudem sind sie meist nach langer Flucht schwach und krank. „Das sind optimale Voraussetzungen für das Influenza-Virus, sich schnell auszubreiten", warnt Professor Dr. med. Hans-Dieter Klenk, Experte der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Virologie (GfV) von der Universität Marburg

Risiko reduzieren

Zu den Risikogruppen zählen auch Menschen in Alters- und Pflegeheimen. Zudem sollten sich ganz allgemein Menschen ab 60 Jahren impfen lassen, sowie chronisch Kranke, wie etwa Menschen mit Diabetes oder Herzleiden, und Schwangere. „Ärzte und Pfleger, die in Pflegeheimen, Kliniken oder Flüchtlingsunterkünften arbeiten, sollten ebenfalls unbedingt eine Schutzimpfung erhalten“, betont der GfV-Experte.

So könnten sie das Risiko für von ihnen betreute ungeimpfte und immungeschwächte Menschen reduzieren. In 20 Prozent der Fälle nimmt die Influenza-Grippe einen schweren Verlauf mit hohem Fieber, Gliederschmerzen manchmal bis hin zu einem akuten Atemnotsyndrom. Entscheidend für einen guten Schutz ist auch der Zeitpunkt der Impfung, sagt Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der GfV.

Denn nach einer Influenza-Immunisierung bilden sich zwar Antikörper, ihre Zahl nimmt aber relativ rasch ab. Deshalb sollte die Grippeimpfung nicht zu früh erfolgen. „Sinnvoll ist die Zeit zwischen Ende Oktober und Anfang November“, so Professor Mertens, Virologe am Universitätsklinikum Ulm und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Eine Impfung kann auch später gegebenfalls nachgeholt werden. „Der Impfstoff steht seit Anfang September in ausreichender Menge zur Verfügung“, so die Experten der GfV. Jetzt müsse zeitnah geklärt werden, wie die logistische Herausforderung gemeistert werden kann, auch möglichst viele Menschen in Notunterkünften zu impfen.

Quelle: idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Informationen

Ständige Impfkommission (STIKO)
Gesellschaft für Virologie e.V.
Impfstoffe mit Stammanpassung für die Saison 2015/2016 (Stand 09/2015)

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