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Dialysepatienten leiden häufig unter niedrigschwelligen, permanenten Entzündungsreaktionen. © Picsfive / iStock / Thinkstock

Dialysestudie ISAR: Neuer möglicher Risikofaktor identifiziert

Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München haben einen Stoff im Blut identifiziert, mit dem sich die Überlebensaussichten von Nierenkranken, die Dialyse benötigen, vorhersagen lassen. Weitere Studien müssen zeigen, ob durch die Senkung dieses Blutmarkers die hohen Sterberaten bei Dialysepatienten verringert werden können, ähnlich wie dies mit niedrigeren Cholesterinwerten bei Herzinfarktpatienten der Fall ist.

Derzeit werden in Deutschland etwa 80 000 Patienten langfristig mit Dialyse versorgt, weil ihre Nieren versagen. Menschen, die dauerhaft auf diese Nierenersatztherapie angewiesen sind, versterben oft vorzeitig. Die Lebenserwartung eines Dialysepatienten liegt in etwa bei der eines Patienten mit einer bösartigen Krebserkrankung. Daher ist das Ziel der Dialyseforschung Faktoren zu identifizieren, die zu dieser hohen Sterblichkeit beitragen, und diese Faktoren mit neuen Behandlungsansätzen zu verändern.

Einer Arbeitsgruppe von Nierenspezialisten am Klinikum rechts der Isar ist nun die Identifikation eines neuen möglichen Risikofaktors für Dialysepatienten gelungen. Das Eiweiß, das bei Dialysepatienten erhöht ist, trägt die Bezeichnung YKL-40. Dieses körpereigene Eiweiß ist bei einer Vielzahl von entzündlichen Erkrankungen im Blut erhöht. Entzündungsreaktionen helfen dem Körper, z.B. eindringende Bakterien oder Pilze abzuwehren.

Unter bestimmten Umständen kann eine solche Entzündung aber auch ohne Bakterien, sozusagen ohne erkennbaren Grund, auftreten und Gefäße und Organe schädigen. Dialysepatienten leiden häufig unter solchen niedrigschwelligen permanenten Entzündungsreaktionen, die vermutlich wesentlich zu der hohen Sterblichkeitsrate beitragen.

Das Leben von Dialysepatienten verlängern

Wie die Wissenschaftler um Dr. Georg Lorenz und Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer von der Abteilung für Nephrologie in der ISAR Dialyse-Studie zeigen konnten, ist YKL-40 an diesem Prozess beteiligt. Hohe Werte dieses Entzündungsmarkers im Blut zeigten ein erhöhtes Risiko an, dass der Patient versterben wird.

Dabei unterscheidet sich YKL-40 von bisher bekannten Entzündungsmarkern: die Forscher gehen davon aus, dass es andere Facetten der entzündlichen Erkrankung von Dialysepatienten widerspiegelt. „Inwieweit YKL-40 wirklich ursächlich an der erhöhten Sterblichkeit der Dialysepatienten beteiligt ist“, so Lorenz, „lässt sich anhand der vorliegenden Daten leider noch nicht sicher sagen, ist aber Teil unserer aktuellen Forschung“.

Dazu Schmaderer, der Studienleiter der ISAR Dialyse-Studie: „In Deutschland und international findet die Dialyseforschung viel zu wenig Beachtung. In vielen Köpfen ist verankert, dass die Dialyse technisch nicht verbessert werden kann und damit das Schicksal der Patienten besiegelt ist. Damit wollten wir uns nicht abfinden und haben daher die ISAR Dialyse-Studie durchgeführt. Wir danken vor allem den über 500 Dialysepatienten und den Dialyseärzten im Großraum München, die zum Gelingen der Studie wesentlich beigetragen haben. Nur zusammen kann es uns gelingen, das Leben zukünftiger Generationen von Dialysepatienten zu verlängern und vor allem zu verbessern“.

Quelle: Klinikum rechts der Isar der TU München



Publikation: Christoph Schmaderer et al.; Mortality prediction in stable hemodialysis patients is refined by YKL-40, a 40-kDa glycoprotein associated with inflammationKidney International, 2017; DOI: 10.1016/j.kint.2017.07.010

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