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Prof. Dr. Martin Bendszus (li.) und Dr. Johannes Pfaff am neuen CT-Gerät von Siemens. © Carsten Buell

Schwerer Schlaganfall: Innovative Gerätekombination spart wertvolle Zeit

Bei der Behandlung des Schlaganfalls zählt jede Minute: Computertomographie und Kathetereingriff im selben Raum können eine Zeitersparnis von 20 Minuten bewirken und so den Patienten möglicherweise vor schweren bleibenden Schäden schützen. Im Universitätsklinikum Heidelberg ist nun erstmals solch eine Gerätekombination in Betrieb.

Auf Initiative der Heidelberger Neuroradiologen um Professor Dr. Martin Bendszus entwickelte die Firma Siemens Healthcare eine kombinierte Behandlungseinheit aus einem Computertomographen (CT), an den ein mobiler C-Bogen zur Darstellung der Blutgefäße im Gehirn angeschlossen werden kann. So ist es möglich, an Ort und Stelle einen Katheter-Eingriff vorzunehmen, um Blutgerinnsel aus den Hirngefäßen zu entfernen (Thrombektomie).

Der für die Patienten mitunter belastende Transport vom CT-Raum ins Katheterlabor entfällt. Bei den ersten an dieser Gerätekombination behandelten Patienten konnten die Ärzte rund 20 Minuten Zeit einsparen – eine derzeit laufende Studie soll bald genauere Zahlen liefern.

Bei einem schweren Schlaganfall ist die Zeit bis zur effektiven Behandlung entscheidend (time is brain), da ohne Wiedereröffnung des Gefäßes pro Minute mehrere Millionen von Nervenzellen zugrunde gehen. „20 Minuten können dann schon entscheidend beeinflussen, ob der Patient schwere Behinderungen zurück behält oder weiterhin selbständig leben kann“, sagt Professor Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuroradiologie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

„Wir gehen davon aus, dass diese Zeiteinsparung die Behandlungsergebnisse bei den besonders schwer betroffenen Schlaganfall-Patienten verbessert. Dies prüfen wir in der aktuell laufenden Studie mit 50 Patienten.“ 

Mehr als 200 Patienten profitieren

Rund 30 Prozent der Heidelberger Schlaganfall-Patienten werden von dem gestrafften Behandlungsablauf profitieren. Das sind pro Jahr mehr als 200 Patienten mit schwerem Schlaganfall, Tendenz steigend. Die Behandlungsabläufe und -zeiten der ersten fünf Patienten veröffentlichte das Team um Professor Bendszus im Juli 2015 im „Journal of NeuroInterventional Surgery“.

Demnach vergingen durchschnittlich 35 Minuten von der diagnostischen Bildgebung mittels CT bis zum Start des Katheter-Eingriffs. Vor Anschaffung des neuen CTs waren es im Mittel 57 Minuten, da der Patient zurück auf die Transport¬liege und ins Katheterlabor gebracht werden musste und ein dort möglicherweise gerade vorgenommener Routineeingriff erst noch unterbrochen werden musste.

Nun bleibt der Patient im selben Raum, sogar auf derselben Liege. Das mobile digitale Durchleuchtungsgerät (C-Bogen), mit dem die Neuroradiologen den Verlauf des Kathetereingriffs kontrollieren, wird in den CT-Raum gebracht, angeschlossen und der Eingriff kann beginnen. 

Weitere Informationen

Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Ursache ist bei den meisten Patienten ein akuter Durchblutungsstopp im Gehirn, weil ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie verstopft. Standardtherapie, die innerhalb der ersten viereinhalb Stunden wirksam ist, ist dann die sogenannte Thrombolyse mit einem Medikament, das Blutgerinnsel auflöst.

Bei Patienten mit Verschluss eines der großen Hirngefäße reicht das häufig nicht aus. Sie profitieren von einem neuen Verfahren, der Thrombektomie, bei dem Neuroradiologen über einen Katheter und unter Röntgenkontrolle das Gerinnsel aus dem Gefäß herausziehen. Diese Therapie ist bis zu sechs Stunden, selten länger, nach Auftreten der Schlaganfall-Symptome sinnvoll. Insgesamt gilt: Je später die Patienten behandelt werden, desto schlechter sind die Chancen auf ein späteres Leben ohne Behinderung.

Die Kosten für die Umrüstung beschränkten sich auf die Anschaffung der einzelnen Geräte, größere Umbaumaßnahmen oder zusätzlicher Raumbedarf waren nicht erforderlich. Das CT kann mit dieser Installation im normalen Routinebetrieb ohne Einschränkungen genutzt werden.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg

Literatur: Pfaff J, Herweh C, Pham M, et al. J NeuroIntervent Surg; Published Online on July 8, 2015, doi:10.1136/neurintsurg-2015-011744

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