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Alternsworkshop beim DGG-Jahreskongress. © DGG

Altersmedizin: Ärzte blicken durch die Brille ihrer Patienten

Rund 20 Mediziner nahmen im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Frankfurt am Main an einem Workshop teil, der verdeutlichte, wie körperlich eingeschränkt geriatrische Patienten tatsächlich sind. Dabei stießen sie an ihre Grenzen und erlebten, was es wirklich bedeutet, alt zu sein.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so beschwerlich ist“, sagt eine Altersmedizinerin aus der Nähe von Hannover, nachdem man ihr aus einem Simulationsanzug geholfen hatte. Sie war erleichtert, Gewichte, Bandagen, Brille und Ohrstöpsel wieder ablegen zu können und so in wenigen Minuten wieder um 30 Jahre zu verjüngen.

Diese Altersmedizinerin möchte nun die Anzüge auch an ihrer Klinik einsetzen, um hier das Verständnis ihrer Kollegen in Bezug auf Alter und Gebrechlichkeit zu schärfen.

„Man muss es einfach selbst spüren! Die Altersanzüge machen in ihren verschiedenen Ausführungen die körperlichen Defizite des Alters am eigenen Leib erlebbar“, erklärte Workshop-Leiterin Dr. med. Gabriele Röhrig-Herzog, Oberärztin aus Köln. „Das ist Sinn und Zweck. Und die AHA-Erlebnisse sind wann immer und mit wem immer durchgeführt groß. Keiner kann sich tatsächlich vorstellen, was es bedeutet richtig alt zu sein.“

Altersanzüge simulieren Gebrechlichkeit
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Simuliert alt und wirklich alt: Ein Tester benötigte zum Treppensteigen Unterstützung. © DGG

Durch das Tragen der Altersanzüge wurden Körpermotorik, Seh- und Hörmöglichkeiten stark eingeschränkt. An mehreren Übungsstationen mussten die Teilnehmer dann ganz normale Alltagstätigkeiten verrichten: Treppensteigen, Wasserflaschen öffnen, Kaffee trinken, Schuhe zuschnüren oder einfache Gespräche führen.

Die Situationen waren für die teilnehmenden Ärzte so ungewöhnlich, dass kaum eine Übung direkt funktionierte. Bei aller Ernsthaftigkeit gingen die Geriater mit großer Neugierde und Elan an ihre Aufgaben heran. Den meisten macht es trotz der großen Anstrengung auch Spaß.

Der Workshop wurde außerhalb des Kongressgebäudes im nahe gelegenen Klinikum durchgeführt – direkt auf der Geriatrischen Station. So beobachteten auch Patienten und Besucher des Krankenhauses das spielerische Treiben der Spezialisten für Altersmedizin mit Interesse und gaben bei Bedarf hilfreiche Tipps in Punkto Gangstabilität oder dem Einsatz von Hilfsmitteln.

„Darf ich den Anzug auch mal ausprobieren?“, scherzt ein hochbetagter Hausbesucher. „Dann weiß ich, was mit 120 auf mich zukommt.“

Nur mit Unterstützung ist Treppensteigen möglich
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Gar nicht so leicht: Altersmedizinerin schlüpft in die Rolle ihrer geriatrischen Patienten. © DGG

Die Workshop-Teilnehmer ließen sich während ihrer Übungen filmen, um später besser nachvollziehen zu können, wie es Ihnen tatsächlich ergangen war. Auch hier schauten sie anschließend ungläubig auf ihre unbeholfenen Bewegungen. So setzte sich ein Geriater zum Ziel, in den ersten Stock des Krankenhauses zu gelangen – und schaffte es nur mit Unterstützung.

Eine andere Ärztin versucht mit tatteriger Hand, die mit Hilfe von Stromimpulsen einen Tremor simulierte, ein Glas Wasser zu trinken. „Ich hatte kaum Kontrolle darüber“, kommentierte sie anschließend das, was sie auf dem Bildschirm sah. „Ein ganz eigenartiges Gefühl. Und verschüttet habe ich auch so einiges auf den Tisch und meine Hose. Ebenfalls: Kein gutes Gefühl.“

„Simulationsanzüge sind eine wunderbare Möglichkeit das eigene Verständnis für körperliche Grenzen im Alter zu schärfen. Bücher lesen und Erzählungen Glauben schenken ist das Eine – es selbst zu erleben ist etwas ganz Anderes,“ weiß Dr. med. Gabriele Röhrig-Herzog. „Das bleibt im Gedächtnis haften!“

Begleitet wurde ihr Workshop von einem interdisziplinären Team aus Vertretern der Studentischen Lehre, der Physiotherapie und ärztlicher Seite, um die „Patienten“ auch fachgerecht zu betreuen und anleiten zu können. Für alle ein unvergessliches Erlebnis.

QuelleDeutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

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