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Impfungen können Leben retten. © Remains / iStock / Thinkstock
Impfungen können Leben retten. © Remains / iStock / Thinkstock

Impfmüdigkeit: Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Forschungsprojekt

Mit Mitteln in Höhe von insgesamt rund 397.000 Euro unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlern der Universität Erfurt und der RWTH Aachen, das sich mit dem Thema Impfmüdigkeit beschäftigt – mit der Erklärung des Phänomens einerseits und Mechanismen zu deren Reduktion auf der anderen Seite. Die Mittel wurden jetzt für drei Jahre bewilligt.

Die Auslöschung von Infektionskrankheiten wie Masern oder Polio durch flächendeckende Impfungen ist ein zentrales gesellschaftliches Anliegen. Die sogenannte „Impfmüdigkeit“ in der Bevölkerung stellt dabei jedoch eine ernsthafte Bedrohung dar, sowohl für die Gesundheit des Einzelnen, als auch für die gesamte Gesellschaft. Nationale, europäische und globale Gesundheitsorganisationen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie Impfmüdigkeit erklärt und überwunden werden kann. Denn Impfungen reduzieren die Wahrscheinlichkeit, sich mit einer schwerwiegenden Infektionskrankheit anzustecken bei gleichzeitig geringer Wahrscheinlichkeit zumeist harmloser Nebenwirkungen.

Impfentscheidung wird zum strategischen Handeln

Impfungen gelten als für den Einzelnen nutzenmaximierend und somit als rational. Bislang wurden deshalb vor allem verzerrte Risikowahrnehmungen für die Impfmüdigkeit der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Neben dem direkten Effekt haben die meisten Impfungen aber auch einen indirekten Effekt, indem sie die Übertragung von Krankheiten reduzieren. Dadurch wird die Impfentscheidung zum strategischen Handeln, da der individuelle Nutzen der eigenen Impfentscheidung nun auch von den Impfentscheidungen anderer Personen abhängig ist und die eigene Impfentscheidung zugleich einen sozialen Nutzen hat. Unter bestimmten Bedingungen entsteht daraus ein soziales Dilemma, in dem das Impfen individuell nicht rational, aber kollektiv effizient ist. Nichtimpfen kann somit auch eine Folge individuell rationalen Verhaltens sein.

Ziel des Forschungsprojektes der Wissenschaftler aus Erfurt und Aachen ist es nun, die beiden Ansätze zu kombinieren und damit einerseits das Phänomen Impfmüdigkeit zu erklären. Darüber hinaus sollen aber auch Mechanismen zur Reduktion von Impfmüdigkeit getestet werden. Dabei arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Fachdisziplinen – nämlich aus Sozial- und Gesundheitspsychologie, Verhaltensökonomie und Theoretische Physik – zusammen, was eine problem- und prozessorientierte Forschung ermöglicht.

„Aus grundlagenwissenschaftlicher Perspektive leistet unser Forschungsprojekt Pionierarbeit in der Erforschung der Impfentscheidung als strategische Interaktion mit dynamischen Anreizen“, erläutert PD Dr. Cornelia Betsch, Diplom-Psychologin an der Universität Erfurt und neben Jun.-Prof. Dr. Robert Böhm (Aachen) einer der Antragsteller. „Wir wollen außerdem aus anwendungsorientierter Perspektive Möglichkeiten aufzeigen, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Impfbereitschaft beitragen können, und damit dazu, Infektionskrankheiten zu eliminieren."

Quelle: Universität Erfurt

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