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Brain Freeze: Nach dem Eisgenuss sind Durchblutungsveränderungen im Gehirn messbar. © Thomas Northcut / Photodisc / Thinkstock

Hirnforschung: Was steckt hinter dem „Eiscreme-Kopfschmerz"?

Bei sommerlichen Temperaturen haben kühle Getränke und Speiseeis Hochkonjunktur. Doch bei einer größeren Menge kalter Lebensmittel am Gaumen passiert es: Ein kurzer Schmerz schießt in den Kopf und verursacht dieses seltsam frostige Gefühl im Hirn. Wissenschaftler am Universitätsklinikum Halle (Saale) gehen dem Phänomen „Brain Freeze" jetzt auf den Grund.

© Daniel Gandyra, Universitätsklinikum Halle (Saale)
Assistenzarzt Ole Hensel im Selbstversuch mit der speziellen Kopfhalterung. © Daniel Gandyra, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Die Kopfschmerzforschung ist ein Schwerpunkt der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Halle (Saale). „So wie beim Eiscreme-Kopfschmerz treten auch bei der Migräne mit Aura Veränderungen des Blutflusses im Gehirn auf“, sagt der an den Studien beteiligte Assistenzarzt Ole Hensel.

Möglicherweise lassen sich aus diesen Ergebnissen Erkenntnisse zur Entstehung von Kopfschmerzen oder sogar für Therapieansätze beim akuten Schlaganfall gewinnen. Primär gehe es aber um die Ursachenforschung beim Eiscreme-Kopfschmerz. In der aktuellen Untersuchung von Ole Hensel habe man bereits herausgefunden, dass beispielsweise vier Grad Celsius kaltes Wasser eher den Schmerz auslöse als ein einzelner Eiswürfel.

„Mittels Doppler-Sonografie sind Durchblutungsveränderungen im Gehirn messbar“, erklärt Stephan Mages, der den „Eiscreme-Kopfschmerz“ in seiner Doktorarbeit untersucht. Für die Studie wurde zusammen mit der Forschungswerkstatt des Universitätsklinikums Halle (Saale) eigens eine spezielle Kopfhalterung entwickelt, die auf den Kopf gesetzt werden kann und mit mehreren Ultraschallsonden bestückt ist. Aus den Ultraschalldaten kann der Blutfluss gemessen werden und werden Veränderungen ohne und mit Kältereiz sichtbar. Die Apparatur wurde zum Patent angemeldet. 

„Jugend forscht“-Arbeit lieferte Anstoß

Im Unterschied zu den Ergebnissen anderer Studien, in denen eine Verlangsamung des Blutflusses festgestellt wurde, hat in den halleschen Untersuchungen der Blutfluss aufgrund des Kältereizes zugenommen. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen – es können sich demnach noch Probanden melden, insbesondere Menschen, bei denen Eiscreme-Kopfschmerz bisher nicht aufgetreten ist. In ein bis zwei Monaten rechne man mit Ergebnissen, so Mages.

Ausgangspunkt war eine fragebogenbasierte „Jugend forscht“-Arbeit von Antonia Zierz vom Elisabeth-Gymnasium in Halle, in der unter anderem die Häufigkeit des Eiscreme-Kopfschmerzes bei Schülern, Eltern und Lehrern untersucht wurde. Dabei konnte erstmals eine familiäre, möglicherweise genetische, Veranlagung für Eiscreme-Kopfschmerz nachgewiesen werden. Darüber hinaus scheinen Kinder den Eiscreme-Kopfschmerz besser zu kennen.

Das könne daran liegen, dass Erwachsene möglicherweise vorsichtiger beim Konsumieren kalter Lebensmittel sind und die Einnahmegeschwindigkeit eine Rolle zu spielen scheint, so Prof. Zierz, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Halle (Saale).



Weitere Informationen:

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg / Uniklinikum Halle 

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