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Gabel mit einer Erbse aufgespießt.
Gefährliches Hungern: Anorexia nervosa kann bis zum Tod führen. © Dirk Ercken / Hemera / Thinkstock

Anorexia nervosa: Gute Prognose bei früher Behandlung

Die Betroffenen empfinden den eigenen Körper als zu dick, hungern und zwingen sich zu Bewegung – selbst dann, wenn sie bereits unter Untergewicht leiden. Die Essstörung „Anorexia nervosa" betrifft vor allem junge Mädchen und Frauen. Eine kürzlich veröffentlichte Empfehlung internationaler Experten zeigt: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Magersucht zählt zu den gefährlichsten psychischen Erkrankungen: Im Langzeitverlauf führt sie bei bis zu fünf Prozent der Patienten zum Tod – weit mehr als bei Depressionen oder Schizophrenie. Hierzulande sind etwa ein Prozent der weiblichen Bevölkerung und bis zu 0,5 Prozent der Männer an Magersucht erkrankt.

„Trotz der Schwere der Erkrankung sind wir von einem umfassenden wissenschaftlichen Verständnis der Essstörung noch weit entfernt“, sagt Professor Dr. med. Stephan Zipfel, Erstautor der Arbeit und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen. Jedoch habe es in den letzten fünf Jahren wichtige neue Erkenntnisse zu möglichen Ursachen und Therapieansätzen der Anorexia nervosa (AN) gegeben. Diese sind in der Übersichtsarbeit zusammengefasst.

Kein überlegener Therapieansatz bei Erwachsenen
Junge Frau steht auf der Waage.
Magersüchtige führen ihr Untergewicht absichtlich herbei. © Fuse / Thinkstock

Die Auswertung der vorliegenden Studien zeige etwa, dass rund 40 Prozent aller Patienten unter Therapie wieder gesund würden; bei jungen Patienten liege der Anteil noch deutlich höher. „Ein früher Zugang zu qualifizierter Hilfe ist entscheidend für eine gute Prognose“, so Zipfel, der das Kompetenzzentrum für Essstörungen (KOMET) in Tübingen leitet.

Wer sich vor Ablauf einer dreijährigen Krankheitsdauer behandeln lässt, hat gute Chancen auf eine vollständige Genesung.

Danach wird es immer schwieriger. „Ärzte aller Fachrichtungen müssen deshalb darin geschult sein, AN frühzeitig zu erkennen und ihre Patienten gegebenenfalls rasch zu Spezialisten überweisen“, fordert Professor Dr. med. Harald Gündel, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM).

Bei Heranwachsenden mit AN haben sich spezifische familienorientierte Behandlungsansätze als besonders wirksam erwiesen. Bei diesen Therapien handelt es sich um ambulante Ansätze, bei denen Eltern konkrete Unterstützung und Schulung erhalten, um die Hauptverantwortung für Essen und Gewicht ihrer Kinder übernehmen zu können. Somit ist es entscheidend, möglichst früh mit einer Therapie zu starten.

Obwohl es zunehmend Studien gibt, die auch die verschiedenen Behandlungsverfahren bei Erwachsenen untersucht haben, hat sich in dieser Altersgruppe bisher kein Therapieansatz als klar überlegen herauskristallisiert. Es bestehe Übereinstimmung darüber, dass dringend neue Behandlungskonzepte benötigt würden, um die Ergebnisse weiter zu verbessern, besonders bei Erwachsenen, sagt Zipfel.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) e.V. via Informationsdienst Wissenschaft (idw)

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