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Bei Mäusen mit einem bösartigen Hirnhauttumor wurde die Rolle des Erbfaktors charakterisiert. © JacobStudio / iStock / Thinktock
Bei Mäusen mit einem bösartigen Hirnhauttumor wurde die Rolle des Erbfaktors charakterisiert. © JacobStudio / iStock / Thinktock

Hirnhauttumor: Wichtiges Gen identifiziert

Obwohl die meisten Hirnhauttumoren chirurgisch heilbar sind, muss ein Teil von ihnen wiederholt operiert und bestrahlt werden, weil der Tumor erneut aufflammt. Ein geringer Prozentsatz ist zudem aggressiv und führt trotz Behandlung zum Tode. In diesen Subtypen wies das Magdeburger Forscherteam um Professor Christian Mawrin die Inaktivierung eines Erbfaktors (miR-145-Gen) nach, die möglicherweise zu neuen therapeutischen Ansatzpunkten führen könnte. Im Projekt ging es daher um die Charakterisierung der Rolle dieses Erbfaktors in Zellkulturen und vor allem in Mäusen mit einem bösartigen Hirnhauttumor.

Obwohl für wiederholt aufflammende oder bösartige Formen der Hirnhauttumore eine Chemotherapie wünschenswert wäre, ist eine solche zusätzliche Therapie zu Chirurgie und Bestrahlung gegenwärtig nicht etabliert. Wünschenswert wäre dabei weniger eine klassische Chemotherapie, als vielmehr der pharmakologische Angriff auf sehr spezifische Zielstrukturen, wie auf einzelne veränderte Eiweiße der Tumorzellen. Auf dem Gebiet der Testung solcher zielgerichteter Therapeutika arbeitet derzeit auch das Labor von Professor Christian Mawrin an Mausmodellen. Gleichzeitig wird dort nach neuen potenziellen Zielstrukturen gesucht.

Wichtige Erkenntnisse

Das miR-145-Gen verschlüsselt im Erbmaterial die sogenannte mi-RNA-145 (miR-145). Viele mi-RNAs regulieren eine größere Zahl weiterer Erbfaktoren in der Zelle und zunehmend wird auch ihre Rolle in Tumoren von der Forschung wahrgenommen. Die Entdeckung eines deutlichen Verlustes der miR-145 gerade in den biologisch aggressiven Subtypen der Hirnhauttumoren durch das Magdeburger Team war allein bereits deshalb bedeutsam, weil das seit langem mit Hirnhauttumoren in Verbindung gebrachte Gen namens NF2 in allen Subtypen gleichermaßen verändert sein kann. Es charakterisierte also nicht spezifisch die besonders gefährlichen Subtypen.

Es konnte im Projekt gezeigt werden, dass miR-145 eine Rolle bei der Anheftung der Tumorzellen an Oberflächen und bei ihrem Wandern spielt, aber in der Zellkultur nur in geringerem Maße auch für die Zellteilung relevant ist. Auch konnten Eiweiße der Tumorzellen identifiziert werden, die möglicherweise daran beteiligt sind, die wanderungshemmende Wirkung der miR-145 zu vermitteln. Entsprechend könnten an diesen Wanderungsprozessen angreifende Pharmaka von Nutzen sein.

An Mäusen konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass die Geschwindigkeit der Volumenzunahme bösartiger Hirnhauttumore im Schädel statistisch signifikant vermindert war, wenn diese Tumorzellen ein aktives miR-145-Gen enthielten. Den in die Mäuse transplantierten Tumorzellen war zu diesem Zweck zuvor ein aktives miR-145-Gen eingepflanzt worden. Insgesamt zeigten die Experimente, dass das miR-145-Gen eine Hirnhauttumoren- unterdrückende Funktion hat, sodass die von diesem Erbfaktor gesteuerten Prozesse in der Zelle mögliche pharmakologische Angriffsziele bieten könnten.

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt in zwei Förderphasen mit insgesamt mit 114.000 €. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 220 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw-online)

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