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Die Kieler Forschungsergebnisse könnten zukünftig dabei helfen, Zellkulturen optimaler zu nutzen. © Hoda Bogdan / Fotolia.com

Zellhaftung: Forscher klären auf

Einem Team aus der Chemie und den Materialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität (CAU) ist es gelungen, die Haftung von Zellen auf Oberflächen mit Licht umkehrbar an- und auszuschalten. Dies könnte in der kontrollierten Züchtung von Zellen, beispielsweise in programmierbaren Biochips Anwendung finden und auch die Forschung der Zellhaftung und Zellkommunikation revolutionieren.

Eine Zelle kommt selten alleine, denn auch Zellen brauchen gute Kontakte, um miteinander zu kommunizieren, sich zu differenzieren und sich zu vermehren. Dazu haben Zellen ausgeklügelte Mechanismen entwickelt, die allerdings im Detail noch wenig verstanden sind.

Um dem Geheimnis der Zellhaftung näher zu kommen, haben die beiden Chemikerinnen Michelle Holz und Grace Suana einen lichtempfindlichen Schalter in Moleküle eingebaut, an denen Zellen gerne haften, und diese auf einer Glasoberfläche befestigt. Belichtet man die Oberfläche nur wenige Sekunden mit UV-Licht, so ziehen sich die „Haftmoleküle" zurück und Zellen können nur noch schwer andocken.

Bestrahlen mit sichtbarem Licht kehrt den Prozess um und die Zellen binden wieder an den Molekülen. „In unserem Modellsystem können wir extrem genau kontrollieren, wann und wo Zellen anhaften“, sagt Professor Rainer Herges vom Otto-Diels-Institut für Organische Chemie.

Tests mit Rasterkraftmikroskop
© Denis Schimmelpfennig / CAU
Untersuchungen mit dem Rasterkraftmikroskop zeigten, dass die Zellhaftung kontrolliert an- und ausgeschaltet werden kann. Auf dem Foto (v.l.n.r.): Christine Selhuber-Unkel, Laith Kadem und Rainer Herges. © Denis Schimmelpfennig / CAU

Getestet haben die Forschenden das System mit einem Rasterkraftmikroskop. Das Gerät ist so empfindlich, dass man damit die winzigen Haftkräfte einer einzigen Zelle mit hoher Genauigkeit bestimmen kann.

Professorin Christine Selhuber-Unkel und ihr Doktorand Laith Kadem vom Institut für Material-wissenschaft befestigten dazu lebende Bindegewebszellen an einer winzigen, beweglichen Metallnadel und detektierten ihre Haftkräfte auf den schaltbaren Oberflächen. Damit konnten sie die Schaltfunktion der Oberflächen nachweisen.

Die Kieler Forschungsergebnisse könnten zukünftig dabei helfen, Zellkulturen optimaler zu nutzen. Nach dem Wachsen auf Oberflächen werden die Zellen oft mechanisch "abgeernted". Durch die unsanfte Behandlung sterben viele Zellen ab und die Kultur wird für medizinische Anwendungen unbrauchbar.

Das sanftere Ablösen mit Licht könnte hier Abhilfe schaffen. Vor allem bei der Zellzüchtung in computergesteuerten Biochips sind exakt kontrollierbare, nicht-invasive Verfahren von Vorteil. Die Arbeit entstand im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich (SFB) 677 „Funktion durch Schalten“.

In diesem Kieler Vorzeigeprojekt arbeiten über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, schaltbare molekulare Maschinen zu entwickeln.

QuelleChristian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Informationen

Originalpublikation: Selhuber-Unkel, C. et al. (2015); Rapid Reversible Photoswitching of Integrin-Mediated Adhesion at the Single-Cell Level; Adv. Mater; doi: 10.1002/adma.201504394

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