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Schlaganfall im Gehirn © stockdevil / iStock / Thinkstock

Schlaganfall-Therapie: Experten fordern höchste Qualitätsstandards

Schlaganfall-Experten von vier Fachgesellschaften und einem Berufsverband begrüßen die neue Therapie der „mechanischen Thrombektomie (MTE)“ bei schweren Schlaganfällen als dringend benötigte Ergänzung des Therapieangebotes. Sie betonen jedoch, dass die endovaskuläre Therapie besondere Anforderungen an die behandelnden Ärzte und die Ausstattung der Kliniken stelle. Die Experten fordern, dass die neue Methode ausschließlich in den von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zertifizierten Stroke Units (SU) und von zertifizierten Neuroradiologen und Radiologen durchgeführt werden sollte.

Wenn bei einem Schlaganfall ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn blockiert, versuchen Ärzte zunächst, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen. Professor Dr. med. Gerhard F. Hamann, 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) erläutert: „Dieses als Thrombolyse bekannte Verfahren funktioniert bei etwa 12 bis 15 Prozent der Patienten gut. Bei sehr großen Blutpfropfen, in deren Folge Patienten schwere Behinderungen zurück behalten können, gelingt das Auflösen mit dem Enzym häufig jedoch nicht, da der Blutpfropfen zu groß ist.“

Hier hat sich eine neue Behandlungsmethode bewährt: die mechanische Thrombektomie (MTE), bei der ein Neuroradiologe oder Radiologe das Gerinnsel mit einem Katheter aus dem verstopften Gefäß zieht. „Die Wirksamkeit der neuen Therapie wurde durch aktuelle Studien jüngst belegt“, erklärt Hamann, Direktor der Klinik für Neurologie und Neurologische Rehabilitation am Bezirkskrankenhaus Günzburg.

Bundesweites Netzwerk von Stroke Units

„Die Schlaganfallversorgung in Deutschland ist qualitativ sehr hoch“, weiß Professor Dr. med. Ralf Gold, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Direktor der Neurologischen Klinik am St. Josef Hospital in Bochum. Wichtig sei, dass die Patienten rechtzeitig in eine auf die Schlaganfallbehandlung spezialisierte Stroke Unit gelangen. „Dafür steht ein Netz von bundesweit derzeit 276 zertifizierten Stroke Units (SU) zu Verfügung“, ergänzt Gold. 107 von ihnen sind überregionale SU, die technisch und personell noch besser ausgestattet sind und die weiteren 159 regionalen SU bei der Behandlung unterstützen.

„Wir müssen künftig dafür sorgen, dass auch die MTE flächendeckend und rund um die Uhr für Patienten zu Verfügung steht“, sagt Professor Dr. med. Christoph Groden, Neuroradiologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR). Er betont jedoch, dass dies nicht zu Lasten der Qualität gehen dürfe. „Die mechanische Thrombektomie sollte nur in Kliniken mit zertifizierter SU und von zertifizierten Neuroradiologen und Radiologen durchgeführt werden.“

Prof. Dr. med. Dierk Vorwerk, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft und Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie des Klinikums Ingolstadt erläutert: „Zusammen mit der DGNR bilden wir seit etwa sieben Jahren Radiologen und Neuroradiologen in interventioneller Radiologie über ein strukturiertes, modulares Fortbildungskonzept aus. Nach Absolvierung von umfangreichen Kursen und praktischen Fortbildungsveranstaltungen kann die DeGIR/DGNR-Zertifizierung erworben werden.“ Professor Dr. med. Ansgar Berlis, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Neuroradiologen (BDNR) ergänzt: „Die Kombination aus Zertifizierung der Behandlungseinrichtung und desjenigen, der die schwierigen Interventionen durchführt, garantiert die hohe Qualität, die ein solch hochkomplexer Eingriff erfordert.“

Große medizinische Expertise erforderlich

In Deutschland können derzeit alle zertifizierten überregionalen Stroke Units die MTE anbieten. Sie bringen alle technischen und personellen Voraussetzungen mit – inklusive zertifizierter Neuroradiologen und Rund-um-die-Uhr-Versorgung. „Die regionalen Stroke Units, die nicht 24 Stunden lang die MTE anbieten können, sollten mit den überregionalen SU kooperieren und entsprechende Regelungen treffen“, ergänzt Professor Hamann.

Die jüngst etablierten Neurovaskulären Netzwerke (NVN) seien schon heute für diese Herausforderung gerüstet. Die Experten der vier Gesellschaften und des Berufsverbandes sind sich einig: Die endovaskuläre Therapie des Schlaganfall mit einer mechanischen Thrombektomie (MTE) erfordert eine große medizinische Expertise, gehört in die Hände zertifizierter Spezialisten und sollte ausschließlich in Kliniken mit zertifizierten Stroke Units durchgeführt werden.

Weitere Informationen

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Klinik für Neurologie und Neurologische Rehabilitation am Bezirkskrankenhaus Günzburg
Neurologischen Klinik am St. Josef Hospital Bochum
Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Deutsche Röntgengesellschaft
Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie Klinikums Ingolstadt
Berufsverbandes Deutscher Neuroradiologen (BDNR)

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