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Insbesondere chronische Wunden werden heutzutage mithilfe spezieller Pflaster feucht gehalten. © moodboard / moodboard / Thinkstock

Wundheilung: Feucht heilt besser

Feuchtigkeit schützt Wunden nicht nur vor Austrocknung, Auskühlung oder Keimen, sie fördert auch die Heilung. Hydroaktive Wundauflagen gewährleisten gleichzeitig den Austausch von Gas und Wasserdampf und bringen noch weitere effektive Vorteile mit sich.

Die gesunde Haut verfügt über ausgeklügelte Reparaturmechanismen und kann Verletzungen in der Regel rasch wieder verschließen. Bei kleinen Defekten in Form von Abschürfungen oder oberflächlichen Schnittverletzungen ist es, zumindest in Mitteleuropa, ausreichend, sie mit Leitungswasser auszuspülen – weder die regelmäßige Anwendung von Antiseptika noch eine Sterilität sind sinnvoll. Im Gegenteil: Alles, was Erreger abtötet, kann potenziell auch Makrophagen sowie neue Hautzellen angreifen und die Wundheilung beeinträchtigen.

Komplexer Prozess

Die Heilung durchläuft verschiedene Stadien, von der Wundreinigung mit ihren Abbauprozessen über die Bildung von neuem Gewebe bis zur Schließung der Wunde:

  1. Im exsudativem Stadium wird Fibrin, der "Klebstoff" der Blutgerinnung, gebildet, außerdem sammeln sich Thrombozyten in der Wunde an. Das Gerinnsel verhindert weitere Blutverluste sowie die Kontaminierung der Wunde mit Keimen. Darüber hinaus kommt es zu einer Aktivierung von Makrophagen und Fibroblasten (Zellen, die einen Hauptbestandteil des Bindegewebes darstellen).
  2. In der resorptiven Phase wandern die Makrophagen in das Gewebe und phagozytieren das Blutgerinnsel. Das entstandene Granulationsgewebe übernimmt eine Schutzfunktion und dient als Grundlage für die Epithelialisierung der neuen Haut.
  3. In der Proliferationsphase stellen die Fibroblasten Kollagen her und die Wiederauffüllung der Wunde setzt ein.
  4. Die Reparationsphase ist dadurch gekennzeichnet, dass sich das Plattenepithel der Haut erneuert und sich Narbengewebe entwickelt.
Paradigmenwechsel

Früher war es üblich, den Wundverband häufig zu wechseln, die Stelle zu belüften und trockenzulegen. Im Jahr 1962 entdeckte der britische Mediziner George Winter jedoch die Vorteile der feuchten Wundheilung: Unter einer Polyurethanfolie regenerierte sich das Gewebe schneller – ein feuchtes Milieu stellte sich somit als heilungsfördernd heraus. Die Erklärung dafür: Hier arbeiten Zellen und Wachstumsfaktoren effektiver, was sich positiv auf den Aufbau von neuem Gewebe auswirkt.

Feuchte oder trockene Verletzung?

Insbesondere chronische Wunden werden heutzutage mithilfe spezieller Pflaster feucht gehalten, etwa mit hydroaktiven Wundauflagen (als Pflaster oder in Form von Gelen), die auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung basieren. Sie sollen die Beseitigung von nekrotischen Gewebe und überflüssigem Exsudat fördern, ohne die Wunde auszutrocknen. Ist die Wunde von sich aus feucht und gibt viel Flüssigkeit ab, sind Alginate oder Hydrokolloid-Pflaster die Mittel der Wahl, da sie einen Wasserverlust verhindern.

Bei trockenem Gewebe ist es ratsam, ein feuchtigkeitsspendendes Hydrogel mit hohem Wassergehalt zu verwenden, um eine optimale Hydratation zu erreichen. Ein Hydrokolloidgel spendet oder absorbiert je nach Art der Wunde Feuchtigkeit und kann daher sowohl auf trockenes als auch auf feuchtes Gewebe aufgetragen werden. Insgesamt sorgen die Wundauflagen dafür, dass, wenn nötig, Flüssigkeit aus dem Gewebe gelangt, dieses aber dennoch feucht bleibt.

Effektive Keimbarriere

Hydroaktive Wundauflagen haben gegenüber herkömmlichen Pflastern den Vorteil, dass sie eine Barriere gegen Keime darstellen und die Gefahr einer Infektion reduzieren. Darüber hinaus bereitet das Entfernen von Auflagen, die auf das Prinzip der feuchten Wundheilung abgestimmt sind, weniger Reizungen und Beschädigungen der neu gebildeten Epithelschicht, da sie nicht mit der Verletzungsoberfläche verkleben.

Die Befürchtung, dass die feuchte Wunde einen idealen Nährboden für Bakterien darstelle, ist nicht haltbar, denn im feuchten Milieu agieren die Immunzellen effektiver als in trockenen Gebieten. Zudem gewährleistet das Prinzip, dass kein Schorf gebildet wird und der typische Wundjuckreiz ausbleibt.


Martina Görz



Quellen:

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