MTA-Portal
© Jovanmandic/iStock/Thinkstock
Blutanalysen sprechen dafür, dass viel rotes Fleisch das Diabetesrisiko erhöht. © Jovanmandic/iStock/Thinkstock

Verzehr von rotem Fleisch: Biomarker geben Aufschluss über Diabetesrisiko

Menschen, die viel rotes Fleisch essen, haben ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2. Die Ursachen für diese Risikobeziehung sind jedoch noch nicht geklärt. Ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat nun Biomarker im Blut von Studienteilnehmern identifiziert. Sie geben erste Hinweise auf die Stoffwechselmechanismen, die der Risikobeziehung zugrunde liegen könnten.

© DIfE
Fleisch von Rind, Schwein und Lamm (© DIfE)

Große Langzeit-Beobachtungsstudien kommen weltweit zu dem Ergebnis, dass ein hoher Konsum von Rind-, Schweine- oder Lammfleisch mit einem erhöhten Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 verbunden ist. Auch die Daten der Potsdamer European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition Studie (EPIC) weisen darauf hin. Wie sie zeigen, geht der tägliche Verzehr von 150 Gramm rotem Fleisch mit einem um circa 80 Prozent erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Welche Stoffwechselprozesse der Risikobeziehung zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Diabetes mellitus Typ 2 zugrunde liegen und ob bestimmte im Fleisch enthaltene Stoffe wie Eisen hierfür eine Rolle spielen, ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht.

Um mehr über die Zusammenhänge zu erfahren, analysierte das Team um die beiden Epidemiologen Clemens Wittenbecher und Matthias Schulze die Blutproben von 2681 Potsdamer EPIC-Studienteilnehmern. Von diesen waren 688 im Verlauf der Studie an einem Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt. Die Ernährungsgewohnheiten und den Fleischverzehr der Studienteilnehmer erfassten die Wissenschaftler mit Hilfe von Fragebögen.

Hoher Ferritinspiegel deutet auf erhöhtes Diabetesrisiko

Insgesamt überprüften die Forscher 127 verschiedene Biomarker im Blut der Teilnehmer, wobei 21 dieser Marker sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit dem Fleischverzehr in Beziehung standen. Bei sechs dieser Biomarker waren die beobachteten Konzentrationsänderungen zudem mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden. So hatten Studienteilnehmer mit einem hohen Ferritinspiegel und einem niedrigen Spiegel des Eiweißbausteins Glyzin ein erhöhtes Diabetesrisiko. Ebenso waren bei diesen Teilnehmern die Werte von vier Lipiden verändert, die von der Leber ans Blut abgegeben werden.

„Hohe Ferritinspiegel bedeuten, dass die Eisenspeicher voll sind und können auf eine hohe Eisenaufnahme hinweisen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, führt ein Zuviel an Eisen dazu, dass sich in den Körperzellen verstärkt hochreaktive Moleküle bilden, welche die Zellen schädigen. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang auch von oxidativem Stress“, erklärt Wittenbecher. Da Glyzin ein zentraler Bestandteil der körpereigenen Systeme sei, welche die Zellen vor oxidativem Stress schützen, und gleichzeitig Entzündungsreaktionen entgegenwirke, könnten hohe Ferritinspiegel und niedrige Glyzinwerte annehmen lassen, dass der Körper einem erhöhten oxidativen Stress ausgesetzt werde und vor Entzündungen weniger gut geschützt sei, so Wittenbecher.

„Dies wiederum könnte den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Diabetes erklären, da oxidativer Stress sowie Entzündungsreaktionen nach neuestem Wissensstand zur Typ-2-Diabetes-Entstehung beitragen“, sagt der Erstautor der Studie. Die veränderten Lipidwerte würden zudem auf einen gestörten Fettstoffwechsel der Leber hinweisen, der nach Angaben der Wissenschaftler ebenso zur Krankheitsentstehung beitragen könne.

Ergebnisse stützen aktuelle Ernährungsempfehlungen

„Unsere Ergebnisse lassen somit annehmen, dass nicht eine einzelne Substanz, die im roten Fleisch enthalten ist, in Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko steht, sondern dass der gewohnheitsmäßig hohe Verzehr von rotem Fleisch den Stoffwechsel über verschiedene Wege in einer Weise beeinflusst, die langfristig die Entstehung eines Typ-2-Diabetes begünstigt“, ergänzt Studienleiter Matthias Schulze.

Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen neue Ansatzpunkte, um die Effekte des Fleischkonsums in Stoffwechselstudien gezielter und detaillierter zu untersuchen. Außerdem würden aktuelle Ernährungsempfehlungen, den Verzehr von rotem Fleisch zu verringern, gestützt.



Weitere Informationen:

Originalstudie im American Journal of Clinical Nutrition (Wittenbecher et al., 2015)

Deutsches Institut für Ernährungsforschung (DIfE)

Das könnte Sie interessieren
Wie menschliche Stammzellen aufgespürt und im Labor kultiviert werden können weiter
Forschung gegen Fusarium weiter
Zuckerkonsum könnte Tumorrisiko erhöhen weiter