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Dank direkt antiviraler Medikamente (DAAs) liegt die Heilungsrate derzeit bei über 90 Prozent. © MattZ90 / iStock / Thinkstock

Hepatitis C: Revolution in der Versorgung

  • 19.11.2015
  • Redaktion

Gegen Hepatitis C, eine Viruserkrankung, die über Blut übertragen wird, gibt es bislang keine Impfung. Auch die Heilungschancen waren bis 2013 eingeschränkt. Dies hat sich mit Zulassung weiterer direkt antiviral wirkenden Medikamente (DAAs) zunehmend geändert. Heute liegt die Heilungsrate dank der verschiedenen seit Januar 2014 zugelassenen DAAs bei über 90 Prozent.

„Die neuen Medikamente können viel mehr Patienten helfen, und das in viel kürzerer Zeit und mit nur sehr geringen Nebenwirkungen“, so Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, anlässlich des 16. Deutschen Lebertages am 20. November 2015 unter dem Motto „Neue Chancen für die Leber“.

Statt einer Therapiedauer von mindestens einem Jahr, wie es vor den direkt antiviralen Medikamenten (DAAs) der Fall war, kann mit den neuen Mitteln eine Heilung in der Regel schon in acht bis zwölf Wochen erreicht werden.

Deutsches Hepatitis C-Register bundesweit einmalig

Auch wenn die neuen Medikamente sehr gut wirksam sind, fehlen Daten aus dem Behandlungsalltag, um die Hepatitis C-Therapie mit den neuen DAAs weiter zu verbessern. Daher hat die Deutsche Leberstiftung in Kooperation mit dem Berufsverband der Niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands e. V. (bng) im vergangenen Jahr das bundesweite Deutsche Hepatitis C-Register gestartet.

Hier werden Daten über alle neuen Therapien gesammelt. Da das neue Register auf ein bereits bestehendes Register mit Daten von über 40.000 Hepatitis C-Patienten zurückgreift, können die neuen mit den alten Therapien verglichen werden. Ziel des Hepatitis C-Registers ist es, mithilfe der gesammelten Daten die Hepatitis C-Therapie weiter zu optimieren und insbesondere Sicherheitsdaten im klinischen Alltag zu erheben.

Bisherige Hepatitis C-Therapie

Die Standardtherapie bei chronischer Hepatitis C bestand bis 2011 in der Gabe von Interferon und Ribavirin über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr. Häufig traten stärkere Nebenwirkungen auf, die nicht selten einen Abbruch der Therapie notwendig machten. Bei vielen Patienten konnte mit dieser Therapie keine dauerhafte Viruselimination erreicht werden.

Im Jahr 2011 wurden die ersten direkt antiviralen Medikamente, die unmittelbar in die Vermehrung (Replikation) des Hepatitis C-Virus eingreifen, zugelassen. Sie mussten weiterhin mit Interferon und Ribavirin gegeben werden und verursachten zahlreiche Nebenwirkungen.

Vorteile der Behandlung mit DAAs

Seit Januar 2014 sind neue DAAs für die Behandlung der chronischen Hepatitis C in Deutschland zugelassen, die zum Teil ohne Interferon gegeben werden können. Sie sind sehr wirksam und haben nur geringe Nebenwirkungen. Auch die Einnahme der Medikamente ist einfacher: sie erfolgt als Tablette, in der Regel über einen Zeitraum von nur 12 Wochen.

Die Zahl der Therapieabbrüche ist aufgrund der besseren Verträglichkeit der DAAs viel geringer. Weil die DAAs eine Behandlung von mehr Patienten mit größeren Heilungschancen ermöglichen, wird es seltener zu Folgeerkrankungen der Leber und Leberschäden kommen. Es ist zu erwarten, dass sich dank der DAAs die Lebenserwartung der Hepatitis C-Patienten in den kommenden Jahren deutlich erhöht.

Was ist Hepatitis C?

Hepatitis C ist eine Entzündung der Leber, die durch eine Virusinfektion mit dem Hepatitis C-Virus verursacht wird. Die Übertragung des Virus erfolgt über das Blut. Wird Hepatitis C nicht frühzeitig erkannt und behandelt, verläuft sie häufig chronisch.

In vielen Fällen hat dies Folgeerkrankungen der Leber wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs zur Folge, welche das Organ stark schädigen. Hepatitis C ist ein häufiger Grund für eine Lebertransplantation. Weltweit leiden 60 bis 105 Millionen Menschen unter einer chronischen Hepatitis C, in Deutschland sind es etwa 250.000 bis 500.000.

Quelle: Deutsche Leberstiftung

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