MTA-Portal
Spanischer Wasserhund: Betroffene Tiere zeigen neurologische Defizite wie Ganganomalien und Verhaltensauffälligkeiten. © dazb75 / iStcok /Thinkstock

Wasserhunde: Krankmachendes Gen identifiziert

Bislang war die Neuroaxonale Dystrophie (NAD) der spanischen Wasserhunde noch nicht charakterisiert. Doch in einer Kooperation verschiedener Universitäten konnten Wissenschaftler das Krankheitsbild nun detailliert klinisch, pathologisch und genetisch beschreiben und ursächlich aufklären.

Neuroaxonale Dystrophie mit Nachweis von Autophagosomen gefüllten Sphäroiden (Pfeile) im Rückenmark eines Hundes. © P. Wohlsein

Die Neuroaxonale Dystrophie (NAD) ist eine vererbbare, degenerative Erkrankung des Gehirns und der Nervenbahnen und bricht normalerweise beim Junghund zwischen dem vierten und achtzehnten Lebensmonat aus. „Betroffene Tiere zeigen verschiedene neurologische Defizite wie Ganganomalien und Verhaltensauffälligkeiten, sie krampfen, zittern und verlieren unkontrolliert Urin“, erklärt Professor Dr. Wolfgang Baumgärtner, Leiter des Instituts für Pathologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten histologische Proben von vier erkrankten Hunden und entdeckten in der grauen Substanz der Gehirnhälften, dem Kleinhirn, dem Hirnstamm und in den sensorischen Bahnen des Rückenmarks auffällige Ansammlungen. Diese abweichenden Bereiche beinhalteten sogenannte Autophagosomen. Autophagosomen sind Zellbestandteile, die während der Autophagie – dem Abbau von zelleigenem Material – entstehen. Eine Ansammlung von Autophagosomen stört die normalen Abläufe des Nervensystems.

Vermutlich autosomal-rezessive Vererbung

Mittels Sequenzierung des Genoms eines dieser Tiere konnte die Variante eines bestimmten Gens nachgewiesen werden. „Wir fanden eine Mutation in dem Gen TECPR2. Beim Menschen führt eine Mutation in dem gleichen Gen zur spastischen Paraplegie. Es gibt also eine Parallele. Im Unterschied zur humanen Erkrankung, sind bei der kaninen NAD allerdings nur die sensorischen und nicht gleichermaßen die motorischen Bahnen des Rückenmarks betroffen“, so Baumgärtner.

Bei der spastischen Paraplegie leiden die betroffenen Patienten unter zunehmender Spastizität und Reflexsteigerung der Beine. Die Entdeckung des mutierten Genabschnitts stützt die These, dass TECPR2 die Autophagosomenakkumulation reguliert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine gestörte Autophagie in direktem Zusammenhang zu einer Neurodegeneration steht. Wir empfehlen deshalb, TECPR2 als ein mögliches Markergen für die humane NAD heranzuziehen.“

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Neuroaxonale Dystrophie autosomal-rezessiv vererbt wird. Hierbei erkrankt ein Tier nur, wenn das defekte Gen von beiden Elternteilen vererbt wird. Tiere, die nur Träger eines mutierten Gens sind, erkranken nicht, können die Krankheit aber an ihre Nachkommen weitergeben. Bislang gibt es noch keine Therapie.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover



Originalpublikation: TECPR2 Associated Neuroaxonal Dystrophy in Spanish Water Dogs Kerstin Hahn, Cecilia Rohdin, Vidhya Jagannathan, Peter Wohlsein, Wolfgang Baumgärtner, Frauke Seehusen, Ingo Spitzbarth, Rodrigo Grandon, Cord Drögemüller, Karin Hultin Jäderlund PLOS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0141824

Das könnte Sie interessieren
DNA in Kapsel © ktsimage / iStock / Thinkstock
Blutfette mit MikroRNAs senken weiter
Plastikherz © ipopba / iStock / Thinkstock
Von optimierten Notarztsystemen und regionalen Unterschieden weiter
Darmkrebszelle © Dr. Joseph Regan
Wichtiger Signalweg identifiziert weiter
Organspendeausweis © Martin Lang / iStock / Thinkstock
Besorgnis über bundesweite Entwicklung weiter
Gehirn © Dmitrii Kotin / iStock / Thinkstock
Rehabilitation durch „Computer Vision"-Verfahren weiter
Operation © St. Claraspital
Bypass oder Schlauchmagen? weiter